°*Kampfgeist*°

Es muss sich etwas ändern. Ich ertrage mein Spiegelbild nicht mehr länger, will nicht mehr sehen, wie sehr ich da bin. Verschwinden, weniger werden, hungern - ich sehne mich nach der Anorexie. Und ich gerate in Versuchung, einen riesen Schritt in Richtung der Krankheit zu machen. Warum auch nicht? Es ist mein Körper, und ich habe längst für mich entschieden, dass ich ohne die Krankheit nicht leben kann und will. Sie ist ein Teil von mir, den ich nicht einfach töten kann, ohne dabei einen Teil von mir, von meiner Seele zu verlieren. Ich brauche meine eigene kleine Welt, brauche das Gefühl, eine kleinere Zahl auf der Waage zu sehen, sogar das ständige Frieren vermisse ich. Krank, ich weiss, doch schliesslich habe ich eine Essstörung. Und ich beschliesse in diesem Moment, dass sich etwas ändern wird. Jetzt. Davon reden reicht nicht mehr. Ich werde um meine Anorexie kämpfen. Ich habe Ana enttäuscht, doch ich weiss auch, dass sie mir verzeihen wird, wenn ich nur genug um sie kämpfe. Und das werde ich jetzt tun. Egal wie hoch der Preis sein wird - nichts fühlt sich so gut an wie der schmerzende Hunger nach einem erfolgreichen Tag, nichts ist so schön anzusehen wie die eigenen Knochen. Dafür lohnt es sich zu kämpfen. Jetzt, in diesem Moment. Ana ist zurück.

22.4.08 23:49, kommentieren

°*Neuanfang*°

Manchmal verläuft nicht alles nach Plan - doch ist das ein Grund, um ihn gleich über den Haufen zu werfen? Definitiv nicht. Morgen beginnt die neue Woche, und morgen beginnt mein neues Leben. Das Leben als Ana. Ich will wieder hungern, will wieder Gewicht verlieren, will wieder dünn sein und nicht bloss schlank. Dass ich nicht fett bin, weiss ich eigentlich, doch ich fühle mich so, schrecklich und alles andere als wohl in meiner Haut. Die Motivation, etwas an diesem Zustand zu ändern, ist wieder da, wahrscheinlich ist sie grösser denn je. Ich will wieder meine Knochen sehen. Und ich will wieder diese Blicke auf mir spüren, diese erschrockenen Blicke der Passanten, wenn sie an mir vorbeigehen und ich ihnen ansehe, dass sie mich für zu dünn halten. Ich will abends im Bett liegen und den beissenden Hunger im Magen spüren, denn man nur spürt, wenn man unterernährt ist. Ein herrliches Gefühl, ein Zeichen des Erfolgs. Ich will das alles wieder, und morgen hole ich mir die Anorexie zurück. Die Sehnsucht nach Hunger ist dermassen gross, dass ich ohne ihn nicht mehr leben kann. Morgen wird alles anders. Neuanfang.

1 Kommentar 21.4.08 03:39, kommentieren

°*Rückschläge*°

Haben wir nicht alle damit zu kämpfen? Da nimmt man sich etwas vor, will einen Neustart aufs Parket legen, ist motiviert - und versagt dann auf der ganzen Linie. So viel zu meinem Tag heute. Bis um halb vier Uhr habe ich nur einen Magerjogurt mit etwas Weizenkleie gegessen, doch dann musste ich in die Stadt und konnte dem Angebot im Supermarkt nicht widerstehen. Bewaffnet mit Keksen, Schokolade, einem riesigen Baguette, Käse und sonstigen Süssigkeiten habe ich mich dann auf den Heimweg gemacht und schon während der Fahrt angefangen, zu fressen. Disziplinloses Schwein. Ich hasse mich und meinen fetten Körper dermassen, dass ich mir ständig in die Arme schneide, um irgendwie die Aggressionen loszuwerden. Natürlich habe ich den Fressanfall nicht drinbehalten. Nach dem Erbrechen habe ich allerdings noch zu Abend essen müssen [weil meine Mutter da war], und weil ich dachte, es sei ohnehin schon alles egal, gab es noch einen Jogurt [Magersufe natürlich] hinterher. Ganz toll. Um mein schlechtes Gewissen etwas zu beruhigen, habe ich fünfundzwanzig Pillen Dulcolax geschluckt. Bescheuert, ich weiss, doch ich brauche morgen eine kleinere Zahl auf der Waage. So viel dazu. Morgen muss ich mit meiner Mutter und ihrem Freund essen gehen. Ich habe solche Angst davor, obwohl es 'nur' zum Chinesen geht. Immerhin ist es nicht allzu kalorienhaltig. Ich muss morgen durchhalten. Und übermorgen. Und am Montag. Am besten für immer. Mein Plan für morgen wird wohl so aussehen, dass ich tagsüber nicht mehr als 250kcal zu mir nehme. Abens werde ich mich dann gekonnt zurückhalten, irgendeine Ausrede wird mir schon einfallen. Ich würde am Sonntag so gerne weniger als 55kg wiegen, aber das kann ich wohl vergessen. Bis Montag müsste es allerdings irgendwie zu schaffen sein. Ich hoffe es so sehr. Ab jetzt ist Schluss mit der Fresserei. Ich will nicht mehr erbrechen müssen. Und ich will keine Abführmittel mehr nehmen müssen. Ich habe es schon einmal geschafft, und ich werde es wieder schaffen. Hunger hurts, but starving works. Mein neues Motto. Ich brauche den Hunger, brauche den Schmerz und vor allem brauche ich die Anorexie. Ich hole sie mir zurück. Jetzt; der erste Tag ist immer heute.

19.4.08 01:22, kommentieren

°*Eine neue Welt*°

Die ersten Worte in einer neuen Welt. Dies hier wird mein Reich, meine Motivation, meine Hoffnung, endlich wieder die Kontrolle über mein Essverhalten zu erlangen. Morgen werde ich damit anfangen, mein Gewicht täglich festzuhalten, um Sieg und Niederlage ständig vor Augen zu haben. Es muss sein, wenn ich den Kampf gegen meinen Körper gewinnen will. Und ich will es schaffen, will ihn Formen und meiner kaputten Seele angleichen, will wieder Hunger spüren - um die Sicherheit zu haben, noch da zu sein. Ich kenne keinen anderen Weg [ausser den der Selbstverletzung, aber das ist eine andere Geschichte]. Und ich weiss, dass es sich lohnen wird. Pain is temporary. Pride is forever. Daran glaube ich, diese Worten werde mich auf meinem Weg ins Nichts begleiten. Und morgen wird der erste Tag meines hungrigen Lebens sein.

18.4.08 00:51, kommentieren